IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 2/1998, Seite 24 ff.
SANITÄRTECHNIK
Neues Qualifikationskonzept
für Fachbetriebe des SHK-Handwerks zur Erfüllung der neuen gesetzlichen Anforderungen auf dem Gebiet der Grundstücksentwässerung
Franz-Josef Heinrichs
Von der Mitte des letzten Jahrhunderts (1842 in Hamburg und Frankfurt) bis Ende der 70er Jahre dieses Jahrhunderts stand der Bau von Abwasserkanälen zur geordneten und schadlosen Sammlung und Fortleitung im Vordergrund. Durch die Energiekrise Ende der 70er Jahre wurde bei der Bevölkerung ein wachsendes Umweltbewußtsein ausgelöst. Allgemeine Bemühungen zur Einsparung von Energie und Rohstoffen, aber auch der Umweltschutz waren die Folgen. Dieses Umweltschutzbewußtsein hat bei der Kanalisation eine Verlagerung der Prioritäten zugunsten der Inspektion und Sanierung oder Erneuerung von Abwasserleitungen im öffentlichen Bereich geführt.
Aufgrund der Erkenntnisse über den Zustand der öffentlichen Kanäle sowie aus Ergebnissen von Pilotprojekten, bei denen Anschlußkanäle überprüft wurden, kann der Schluß gezogen werden, daß ein erheblicher Anteil der bestehenden Grundleitungen schadhaft ist.
Experten schätzen, daß ca. 50% - 80% aller Grundleitungen auf Grundstücken und unterhalb von Gebäuden mit einer Länge von mindestens 500.000 km in einem Zustand sind, der einer dringenden Sanierung oder Erneuerung bedarf.
Für diesen erschreckenden Zustand der Grundleitungen kommen meist mehrere Gründe in Frage:
- Alter der Grundleitungen
Die theoretische Nutzungsdauer beträgt ca. 80 Jahre, danach besteht Erneuerungsbedarf. - Werkstoffe und Muffenabdichtungen, die vor 1970 verwendet wurden, lassen die Vermutung auf Undichtheiten im Muffenbereich zu.
- Unsachgemäße Verlegung und Bettung der Rohrleitungen.
- Gebäude- bzw. Geländesetzungen.
- Ablagerungen oder Wurzeleinwüchse.
Grundstücksentwässerungsleitungen werden vielfach nicht mit der notwendigen Sorgfalt, wie es bei Gas- oder Wasserleitungen geschieht, ausgeführt. Oftmals verlegen Bauherren, insbesondere im ländlichen Bereich, die Leitungen in Eigenleistung selbst. Aber auch nicht qualifizierte Handwerksbetriebe mit nicht ausgebildetem Fachpersonal "vergraben Grundleitungen".
Dichtheitsprüfungen, wie sie seit Jahren nach DIN 4033 und DIN 1986-1 gefordert werden, finden so gut wie gar nicht statt, auch wenn Fachbetriebe mit der Verlegung von Grundleitungen beauftragt sind.
Aus diesen Gründen wird seitens des Zentralverbandes begrüßt, daß Gesetz- und Verordnungsgeber bzw. Städte und Kommunen durch ordnungsrechtliche Maßnahmen versuchen sicherzustellen, daß die Errichtung, Überprüfung und Sanierung von Grundstücksentwässerungsleitungen nur durch qualifizierte Fachbetriebe ausgeführt werden dürfen, damit der erforderliche Boden- und Gewässerschutz erreicht wird.
Aufgrund der jahrzehntelangen Mitarbeit bei der Erstellung des Technischen Regelwerks und der Normung von Grundstücks- und Entwässerungsanlagen, aber auch aufgrund der Kenntnisse und Erfahrungen im Werksvertragsrecht, Aus- und Weiterbildung, Handwerksrecht und Betriebsüberwachung ist dem ZVSHK bekannt, welche Anforderungen an die Fachbetriebsqualifikation zu stellen sind, damit das vorgegebene Ziel erreicht wird.
Unterschiedliche Qualifikationsanforderungen
Wie an den Beispielen des Hamburger Abwassergesetzes, der Bauordnung von Nordrhein-Westfalen und der vorgesehenen Abwassersatzung der Stadt Köln zu ersehen ist, sind die Wege, um das gleiche Ziel zu erreichen, unterschiedlich. Die SHK-Organisation bietet für jede dieser Qualifikationsanforderungen ein bereits vorhandenes Konzept bzw. ist gemeinsam mit dem Fachverband Hamburg dabei, zur Erfüllung der Anforderungen des Hamburger Abwassergesetzes ein fachliches Anforderungsprofil mit Rahmenbedingungen zu erstellen.
Qualifikationskonzept des Handwerks
Damit das Qualifikationskonzept des Handwerks transparent wird, sind ein paar Grundkenntnisse über die Struktur des Handwerks notwendig.
Bevor ein Handwerksbetrieb gewerbsmäßig tätig werden kann, muß der Betriebsinhaber seine fachlichen, betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen, rechtlichen und berufserzieherischen Kenntnisse durch den Abschluß einer Meisterprüfung nachweisen, bevor er einen Betrieb selbständig führen und Lehrlinge ausbilden darf (§ 1 der HwO). Erst dann wird er entsprechend dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks - Handwerksordnung (HwO) - in die Handwerksrolle mit der Berechtigung zur Ausübung des Handwerks eingetragen.
Nach der Rechtsverordnung über die Berufsausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur - GasWas AusbV - werden den Auszubildenden für den Bereich Entwässerung die folgenden beispielhaft aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse innerhalb der 3 ½ jährigen Ausbildungszeit vermittelt.
Auszug aus § 4 Ausbildungsberufsbild
- Nr. 4 Arbeitssicherheit, Umweltschutz und rationelle Energieverwendung
- Nr. 5 Planen und Vorbereiten des Arbeitsablaufes sowie Kontrollieren und Bewerten der Arbeitsergebnisse
- Nr. 16 Anfertigen, Montieren und Demontieren von Rohrleitungen für Ver- und Entsorgungsanlagen
- Nr. 20 Montieren und Demontieren von Wasserversorgungs- und Abwasseranlagen
- Nr. 21 Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser
- Nr. 22 Prüfen von Funktionen; Inbetriebnahme und Einstellen von Ver- und Entsorgungsanlagen
- Nr. 23 Eingrenzen und Bestimmung von Fehlern, Störungen und deren Ursachen
Nach der 3½jährigen Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur ist nochmals mindestens eine 3jährige Gesellentätigkeit notwendig, bevor eine Meisterprüfung abgelegt werden kann. Somit sind insgesamt mindestens 6½ Jahre praktische Tätigkeiten neben überbetrieblichen Ausbildungen und theoretischen Ausbildungszeiten in Berufsschulen und Meistervorbereitungslehrgängen als Voraussetzung für eine gewerbsmäßige Tätigkeit notwendig.
Deshalb müssen die gesetzlich vorgegebenen Qualifikationsanforderungen als Voraussetzung für die Ausübung eines handwerklichen Gewerbes akzeptiert werden. In allen Bundesländern (Ausnahme Hamburg) wird diese Qualifikation zur Erneuerung und Instandhaltung von Entwässerungsleitungen für Gebäude und Grundstücke anerkannt.
Werkvertragsrecht
Auch nach der Verdingungsordnung für Bauleistungen - VOB - Teil A DIN 1960 "Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen" § 8 "Teilnehmer am Wettbewerb" können von den Bewerbern zum Nachweis ihrer Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit, Angaben verlangt werden.
In den Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen - ATV - sind die zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer einzuhaltenden "Spielregeln" zur Erfüllung des Auftrages festgelegt. Für Entwässerungsleitungen können die nachfolgenden ATVen herangezogen werden:
- DIN 1961 VOB - Verdingungsordnung für Bauleistungen; Teil B: Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen
- DIN 18 299 VOB - Verdingungsordnung für Bauleistungen; Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Allgemeine Regelungen für Bauarbeiten jeder Art
- DIN 18 300 VOB - Verdingungsordnung für Bauleistungen; Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Erdarbeiten
- DIN 18 303 VOB - Verdingungsordnung für Bauleistungen; Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Verbauarbeiten
- DIN 18 306 VOB - Verdingungsordnung für Bauleistungen; Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Entwässerungskanalarbeiten
- DIN 18 381 VOB - Verdingungsordnung für Bauleistungen; Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Gas-, Wasser- und Abwasser-Installationsanlagen innerhalb von Gebäuden
Diese Vertragsbedingungen der VOB sind bei allen öffentlichen Aufträgen die Grundlage. Bei privat vergebenen Aufträgen kann die VOB genauso Vertragsgrundlage sein. Wird im privaten Bereich nicht die VOB als Vertragsgrundlage herangezogen, gilt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Im Streitfall werden die Technischen Vertragsbedingungen der VOB herangezogen.
Mit der Kombination Qualifikationsprüfung nach dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks und der Verdingungsordnung für Bauleistungen bestehen über Jahrzehnte in der Bundesrepublik für Fachbetriebe und Auftraggeber Voraussetzungen für eine qualifizierte Ausführung und Abwicklung von Bauleistungen.
Zusatzqualifikation
Nicht erst seitdem die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft durch Harmonisierung versucht, den Warenverkehr in Europa zu vereinfachen, wird von Qualitätsmanagement und Zertifizierung gesprochen und versucht, auf bewährte Qualifikationsnachweise, wie sie das Handwerk ohne Zweifel hat, aufzusatteln.
Zahlreiche Beispiele für Zusatzqualifikationen könnten hier für alle Bereiche aufgeführt werden, für den Abwasserbereich kann die Gütegemeinschaft Kanalbau genannt werden. Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen für den Bau von Kanälen hat es sich im Markt eingeführt, Mitglied der Gütegemeinschaft Kanalbau zu sein.
ZVSHK-Richtlinie
Seit 1981 hat der Zentralverband die ZVSHK-Richtlinie zur Erteilung einer Bescheinigung für den erdverlegten Rohrleitungsbau mit den Bereichen Gas- und Wasserleitungen. Diese Richtlinie wurde überarbeitet und im Januar 1996 erweitert mit dem Bereich Entwässerungsleitungen neu herausgegeben.
Die Bescheinigungen über die jeweiligen Bereiche, in denen ein SHK-Mitgliedsbetrieb eine Qualifizierung hat, wird nach Prüfung der Voraussetzung von den jeweils zuständigen Fachverbänden der SHK-Organisation erteilt. Im wesentlichen werden die personellen und materiellen Qualifikationen überprüft sowie der Nachweis der gerätemäßigen Ausstattung. Wobei nicht alle Geräte im Besitz des Unternehmens sein müssen, sondern der Nachweis geführt wird, daß z.B. Geräte verfügbar sind, d.h. auch geleast oder von Subunternehmen verwendet werden können, so daß eine fachlich einwandfreie Durchführung der Rohrverlegungsarbeiten entsprechend den Rechtsvorschriften und den anerkannten Regeln der Technik gewährleistet ist.
Hinsichtlich des Besitzens oder Leihens der Geräte ist die Frage eine simple Anforderung an kostenbewußtes Wirtschaften, das heute jeder verantwortungsbewußte Unternehmer beachtet.
Neue gesetzliche Anforderungen
Nach der neuen Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen, ausgegeben am 13. April 1995, hat sich für Fachbetriebe und deren fachliche Qualifikation gemäß § 45 "Abwasseranlagen" folgende Situation ergeben:
- Bei der Errichtung oder Änderung von Abwasseranlagen ist der unteren Bauaufsichtsbehörde eine Unternehmererklärung vorzulegen, in der auch die erfolgreiche Dichtheitsprüfung zu bescheinigen ist.
- Dichtheitsprüfungen von unzugänglichen Abwasserleitungen müssen durch Sachkundige durchgeführt werden.
Nach der Technischen Prüfordnung - TPrüfVO - vom 5. Dezember 1995 des Landes NRW § 3 heißt es in Absatz 2:
"Soweit die Prüfungen nach § 2 Abs.1 von Sachkundigen vorgenommen werden dürfen, sind dies
1. Ingenieurinnen und Ingenieure der entsprechenden Fachrichtungen mit mindestens 5jähriger Berufserfahrung,
2. Personen mit abgeschlossener handwerklicher Ausbildung oder mit gleichwertiger Ausbildung und mindestens 5jähriger Berufserfahrung in der Fachrichtung, in der sie tätig werden."
Damit ist dargelegt, daß ein Gas- und Wasserinstallateur aufgrund seiner Berufsausbildung Sachkundiger im Sinne der Verordnung ist.
- Nach § 45 Abs. 7 der Bauordnung kann die Gemeinde durch Satzung bestimmen, daß alle oder bestimmte Dichtheitsprüfungen durch von der Gemeinde zugelassene Sachkundige durchgeführt werden müssen. Hierzu heißt es in der Kommentierung:
"Satzungsmäßige Beschränkungen für Prüftätigkeiten dieser Unternehmer durch die Gemeinde setzen voraus, daß dies zur Gefahrenabwehr geboten ist. Die Gründe können sich einerseits aus der Art der zu prüfenden Abwasseranlagen oder aus deren Zusammenwirken mit der örtlichen Kanalisation und andererseits aus der Prüfmethode und einer zur Durchführung erforderlichen besonderen Sachkunde und Erfahrungen oder Ausstattung mit besonderen Vorrichtungen ergeben."
Diese Kommentierung zeigt, daß zusätzliche Anforderungen an Sachkundige bei Neuinstallation und deren Dichtheitsprüfungen mit Wasser seitens des Verordnungsgebers nur in Sonderfällen gewollt sind.
Diese Sonderfälle mit zusätzlichen Anforderungen können bei den wiederkehrenden Dichtheitsprüfungen, die in Abständen von 20 Jahren zu wiederholen sind, angebracht sein, weil hierbei andere Inspektions- und Instandsetzungstechniken erforderlich sind, als bei Neuinstallationen den Sachkundigen bei der Ausbildung vermittelt worden sind oder ihnen durch ihre tägliche Arbeit bekannt sein kann.
Zusatzqualifikation für Kanalinspektionen, Bewertungen und Sanierungsverfahren sind sicher berechtigt.
Hamburgisches Abwassergesetz
In der geänderten Fassung des Hamburgischen Abwassergesetzes vom 29. Mai 1996 ist in § 13 festgelegt, daß das Errichten, Ändern und Abbrechen von Grundstücksentwässerungsanlagen nur von anerkannten Fachbetrieben ausgeführt werden darf. Entsprechend § 13b gilt als anerkannter Fachbetrieb, wer das Zertifikat einer zugelassenen Zertifizierungsorganisation führt.
In der "Verordnung über anerkannte Fachbetriebe und Zertifizierungsorganisationen auf dem Gebiet der Grundstücksentwässerung" vom 5. August 1997 werden die Rahmenbedingungen festgelegt.
Die "Überwachungsgemeinschaft Technische Anlagen der SHK-Handwerke e.V.", die bereits seit Jahren eine bauaufsichtlich anerkannte Überwachungsorganisation nach §19 l Wasserhaushaltsgesetz für den Bereich "Heizölverbrauchertankanlagen" ist und bundesweit ca. 3.000 Unternehmen überwacht, hat sich bei der Behörde in Hamburg als Zertifizierungsorganisation beworben.
Diese Selbsthilfeorganisation des SHK-Handwerks wird auf Empfehlung des Fachverbandes Hamburg und des ZVSHK-Vorstandes einen Zertifizierungs- bzw. Überwachungsauftrag für den Bereich Grundstücksentwässerungsanlagen im Sinne des Hamburger Abwassergesetzes anstreben.
Für die folgenden, nach der Verordnung über anerkannte Fachbetriebe vorgesehenen Ausführungsbereiche wird die SHK-Organisation ein modulares Schulungskonzept erarbeiten, welches nach Abstimmung mit der Behörde in Hamburg der Überwachungsgemeinschaft als Grundlage für das Zertifikat "Anerkannter Fachbetrieb" dient.
Ausführungsbereiche:
1. Errichten, Ändern und Abbrechen von Grundleitungen von Gebäuden und Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb von Gebäuden ohne Abwasserbehandlungsanlagen mit Ausnahme von Sand- und Schlammfängen einschließlich der Prüfung auf Dichtheit.
2. Errichten, Ändern und Abbrechen von Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb von Gebäuden für die Ableitung von Niederschlagswasser.
3. Grabenlose Errichtung und Sanierung von Grundleitungen einschließlich der Schächte.
4. Errichten, Ändern und Abbrechen von Abscheideranlagen.
5. Errichten, Ändern und Abbrechen von Kleinkläranlagen.
6. Errichten, Ändern und Abbrechen von sonstigen Abwasserbehandlungsanlagen.
7. Prüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb und unterhalb von Gebäuden auf Dichtheit und Funktionsfähigkeit.
Das Lehrgangsprogramm wird sich nach den Bedürfnissen der SHK-Betriebe unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Kenntnisse, die aufgrund der Ausbildung vorhanden sind, richten.
Den Ausbildungsstätten des Handwerks, die nach dem Schulungskonzept ausbilden, werden Vorgaben für die Vermittlung der Inhalte der einzelnen Ausführungsbereiche gemacht.
Schulungskonzept
Dieses Zertifizierungs- / Überwachungskonzept für Fachbetriebe auf dem Gebiet der Grundstücksentwässerung wird aufgrund der Vorgaben des Hamburgischen Abwassergesetzes von der SHK-Organisation den Mitgliedsbetrieben in Hamburg angeboten. Sollten andere Städte oder Gemeinden zusätzliche Qualifikationen verlangen, wie z.B. in der Bauordnung NRW für wiederkehrende Dichtheitsprüfungen oder Kanalinspektionen und Instandsetzungsarbeiten vorgesehen, sollen diese Qualifikationsnachweise bundeseinheitlich anwendbar sein.
Umsetzung in der Öffentlichkeit
Nun reicht es nicht, wenn in Landesbauordnungen, Abwassergesetzen oder Technischen Regeln höhere Anforderungen an die Qualifikation von Fachbetrieben oder wiederkehrende Prüfungen von Grundstücksentwässerungsanlagen festgeschrieben werden und außer den Fachleuten auf dem Gebiet der Entwässerung "kein Mensch" etwas davon erfährt.
Hier hat der Gesetz- und Verordnungsgeber sowie der Regelsetzer die Pflicht, auf breiter Basis die Baubeteiligten, wie z.B. Architekten und Planer, aber auch die Hausbesitzer, über die neuen Voraussetzungen und Regelungen zu informieren.
Nur in der Kombination von Angebot durch Fachbetriebe und Nachfrage durch Architekten und Hausbesitzer kann sich das neue Bewußtsein, dichte und funktionssichere Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke aufzubauen, entwickeln.
Sammelleitungen anstatt Grundleitungen
Aufgrund der Tatsache, daß die DIN 1986-30 "Instandhaltung" wiederkehrende Dichtheitsprüfungen bzw. Inspektionen von Grundleitungen verlangt, die zwischenzeitlich von einigen Landesbauordnungen wie z.B. Bauordnung NRW oder vom Hamburgischen Abwassergesetz übernommen wurden, sollten Planer und Installateure ihre Aufgabe dahingehend festlegen, daß möglichst keine Grundleitungen unterhalb von Gebäuden verlegt werden.
Gemeinsam mit dem Architekten können die Planer darauf einwirken, daß dort, wo die Gebäudekonstruktion es zuläßt, Entwässerungsleitungen oberhalb des Kellerfußbodens als Sammelleitungen verlegt werden.
Auch bei Überprüfungen von bestehenden Entwässerungsleitungen in älteren Gebäuden entsprechend DIN 1986-30 kann es für den Auftraggeber kostengünstiger sein, auf aufwendige Dichtheitsprüfungen mit Wasser oder Kanalinspektionsarbeiten mit einer Kanalfernsehkamera, bei denen vermutet werden kann, daß die Überprüfungsergebnisse negativ sind, zu verzichten und statt dessen die Grundleitungen aufzugeben und durch neue Sammelleitungen, die an Kellerwänden entlang geführt werden können, zu ersetzen.
Ein weiterer Vorteil für den Hausbesitzer besteht darin, daß solche freiverlegten Sammelleitungen nicht wiederkehrend nach den vorgegebenen Zeitabständen überprüft werden müssen.
Gerade bei Gebäuden, in denen gewerbliches / industrielles Abwasser nach der Abwasserherkunftsverordnung anfällt und die Zeiträume für eine wiederkehrende Prüfung zwischen 5 und 15 Jahre je nach Leitungsart betragen können, bietet die Sammelleitung gegenüber der Grundleitung erhebliche wirtschaftliche Vorteile.
Marktchance
Die neuen Festlegungen aus Gesetzen, Verordnungen und technischen Regelwerken bieten dem SHK-Handwerk neue Marktchancen und zwar:
- In Regionen, in denen das Bauhauptgewerbe traditionsgemäß Grundleitungen im Zuge der Erstellung des Rohbaus erstellt, bietet es dem Sanitärgewerk die Chance, durch freiverlegte Sammelleitungen innerhalb von Gebäuden die Auftragssumme zu erhöhen.
- Wiederkehrende Überprüfungen von Grundleitungen mittels Dichtheitsprüfung oder mit Kanalfernsehanlage.
Diese Tätigkeiten sollten nicht ohne weiteres anderen überlassen werden, nur weil ein paar zusätzliche fachliche Kenntnisse oder Qualifikationen gebraucht werden bzw. Kosten für neue Geräte investiert werden müssen. - Durch die Zertifizierung von Fachbetrieben, entsprechend dem Hamburger Abwassergesetz, wird verhindert, daß eine Eigenleistung der Hausbesitzer ausgeschlossen wird und fachlich nicht ausgebildete Baubeteiligte, Grundleitungen nicht mehr verlegen dürfen.
Hierdurch ist zu erwarten, daß sich für die qualifizierten Fachbetriebe das Preisniveau für erdverlegte Entwässerungsleitungen verbessert.
Zusammenfassung:
Die dem Handwerk nachgesagte Stärke, sich variabel und schnell auf neue Marktsituationen einzustellen, muß auch in den nächsten Jahren, in denen Qualifikation, Qualitätsmanagement und Zertifizierung an Bedeutung zunehmen, durch wirksame und anerkannte Konzepte umgesetzt und den Kunden angeboten werden.
Die Handwerksorganisation bietet den Betrieben die nachfolgenden Maßnahmen als Ergänzung zur Meisterqualifikation für den Bereich Entwässerungsleitungen an und zwar:
- ZVSHK-Richtlinie zur Erteilung einer Bescheinigung für den erdverlegten Rohrleitungsbau und die
- Überwachungsgemeinschaft Technische Anlagen der SHK-Handwerke e.V. erweitert ihren Aufgabenbereich für Fachbetriebe auf dem Gebiet der Grundstücksentwässerung entsprechend den Ausführungsbereichen des Hamburgischen Abwassergesetzes.
Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima wird in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Klempner- und Sanitärtechnik Hamburg e.V. und der Überwachungsgemeinschaft Technische Anlagen der SHK-Handwerke e.V. am 3. Februar 1998 im Congress Centrum Hamburg den "Hamburger Abwassertag 1998" durchführen.
Anläßlich dieser Fachtagung wird u.a. das Hamburger Abwassergesetz und dessen Durchführungsverordnung sowie die praktische Umsetzung durch die Überwachungsgemeinschaft "SHK" vorgestellt.
Bleibt zu hoffen, daß der vom Gesetzgeber vorgegebene Weg mit einem geschätzten Modernisierungsaufwand von über 50 Milliarden für das Instandsetzen von Grundstücksentwässerungsleitungen auch bei den Hausbesitzern ankommt und daß das SHK-Handwerk einen Beitrag zu dichten, funktionsfähigen Grundleitungen leisten kann.
Grundlage für die Zertifizierung als anerkannter Fachbetrieb für den technischen Leiter | ||
Gliederung des modularen Schulungssystems | ||
Modul | Lerngebiet | Anmerkungen |
I. Allgemeine Kenntnisse der Gebäude- und Grundstücksentwässerung | ||
1 | Bestimmungen, Gesetze, Verordnungen und technische Regelwerke, Prüf- und Überwachungszeichen |
|
2 | Grundlagen des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütungsvorschriften |
|
3 | Grundlagen der ATV-Regelwerke für die Gebäude- und Grundstücksentwässerung |
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4 | Grundlagen der DIN 1986 Teile 1 - 4 und 30 - 33 |
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Voraussetzung für die Teilnahme an Block II ist der Nachweis der Kenntnisse aus den Modulen von Block I | ||
II. Spezielle Kenntnisse entsprechend der Ausführungsbereiche II.1 Errichten, Ändern und Abbrechen von Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb und unterhalb von Gebäuden ohne Abwasserbehandlungsanlagen mit Ausnahme von Sand- und Schlammfängen einschließlich der Prüfung auf Dichtheit | ||
5 | Herstellen von Baugruben und Gräben DIN 4124 |
|
6 | Ausführung von Entwässerungskanälen und -leitungen |
|
7 | Verwendung geeigneter Werkstoffe |
|
8 | Prüfung der Rohrleitung auf Dichtheit |
|
9 | Beseitigung nicht mehr benutzter Entwässerungsanlagen |
|
II.2 Errichten, Ändern und Abbrechen von Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb von Gebäuden für die Ableitung von Niederschlagswasser | ||
10 | Herstellen von Baugruben und Gräben DIN 4124 wie Modul 5 |
|
11 | Verwendung geeigneter Werkstoffe wie Modul 7 |
|
12 | Ausführung von Regenwasserleitungen |
|
II.3 Grabenlose Errichtung und Sanierung von Grundleitungen einschließlich der Schächte | ||
13 | Kenntnisse über die gängigen Verfahren |
|
14 | Errichtung von Neuanlagen |
|
15 | Sanierungsverfahren |
|
II.4 Errichten, Ändern und Abbrechen von Abscheideranlagen | ||
16 | Rückhalten schädlicher Stoffe durch Abscheideranlagen |
|
II.5 Errichten, Ändern und Abbrechen von Kleinkläranlagen | ||
17 | Kleinkläranlagen DIN 4261-1 und DIN 4261-2 |
|
II.6 Errichten, Ändern und Abbrechen von sonstigen Abwasserbehandlungsanlagen | ||
18 | Anlagen zur Begrenzung von Schwermetallen in den Abwässern, die bei der Herstellung keramischer Erzeugnisse anfallen |
|
19 | Anlagen zur Begrenzung von abfiltrierbaren Stoffen, Arsen, Antimon, Blei und anderen Schwermetallen, die für einen Anfall von bei der Herstellung und Verarbeitung von Glas und künstlichen Mineralfasern anfallenden Abwässern bis zu 8 m³/Tag bemessen sind |
|
20 | Anlagen zur Begrenzung von Kohlenwasserstoffen in mineralölhaltigen Abwässern |
|
21 | Anlagen zur Begrenzung des Silbergehaltes in Abwässern aus fotografischen Verfahren |
|
22 | Anlagen zur Begrenzung von Halogenkohlenwasserstoffen in Abwässern von Chemischreinigungen |
|
II.7 Prüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb und unterhalb von Gebäuden auf Dichtheit und Funktionsfähigkeit | ||
23 | Dichtheitsprüfung mit Wasser- bzw. Luftdruck |
|
24 | Inspektion der Leitungen mit Kanalfernsehanlage |
|
25 | Bewertung der Inspektionsergebnisse |
|
26 | Sanierungsmaßnahmen |
|
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